50 Jahre ABBA

Auf unseren Aufruf, persönliche Geschichten o. ä. an uns zur Veröffentlichung zu schicken, reagierten einige unserer Besucher, so auch Frank R. aus Michendorf. Er schrieb:

"In den 70ern war ich Tontechniker im Funkhaus Schwerin. Dort wurde in Zeitfenstern ein Regionalprogramm hergestellt, das über die Frequenzen von Radio DDR 2 gesendet wurde. Als Techniker war ich sowohl am Sendebetrieb beteiligt, wie auch an den (nicht regelmäßigen) Musik-und Hörspielproduktionen. Für letztere gab es ein größeres Studio im Hauptgebäude. Die Musikproduktionen fanden in einer ehemaligen Reithalle aus der Nazizeit statt, die übrigens für den Neubau des NDR-Funkhauses abgerissen wurde.  

Bei Musikaufnahmen stand ein Ü-Wagen im LKW-Format mit einer recht ordentlichen Tonregie neben besagter Halle. Meist handelte es sich um lokale Ensembles, z. B. mecklenburgische Blasorchester. Etwas Besonderes war es dann natürlich, als wir hörten, dass man bei uns ABBA-Songs covern wollte. Es wurde ja immer mal was nachgemacht, so produzierte in Schwerin bspw. Jo Kurzweg mit seinem Orchester den James-Last-Sound. Aber ABBA? Mit unserer bescheidenen Ausstattung? Wir hatten nicht einmal eine 8-Spur-Maschine, und der Hall wurde im Keller mit Lautsprechern und Mikrofonen erzeugt. Erst später kam eine so genannte Hallplatte dazu.

Mein Job war reine Hilfsarbeit: Ich verlegte vor allem vor den Produktionen endlose Meter Kabel und stellte nach Anweisungen von Toningenieur und Tonmeister Mikrofone oder die Wattewände der Drum-Kabine auf. Während der Produktion musste ich dann öfter mal reinflitzen und was umstellen. Viel mehr gab es nicht zu tun, außer Kartons zu beschriften oder Frischband zu holen.

Die Sander-Formation stand damals im Studio und spielte die Titel der Schweden ein. Auf keinen Fall wurden damals genug Songs für eine LP produziert. Vielleicht hatte man eingesehen, dass man den ABBA-Sound nicht erreichte. Ich weiß noch, dass der Tonmeister überhaupt nicht glücklich war - der kam extra dazugereist. Der Ton-Ing von damals ist  bereits verstorben.

Ich war damals gerade mal 19 Jahre alt und kam wenig später zur Armee und hörte nichts mehr von diesen Aufnahmen. Nach der Wende habe ich erst gesehen, dass die Band eigentlich aus Dresden kommt. Bei uns hieß es immer: Die Sander-Formation aus Rostock."

Herzlichen Dank an Frank! Frank äußerte dann noch in einem Gespräch seine Vermutung, die Sander-Formation könnte vielleicht diese ominöse Band in Trinwillershagen gewesen sein. Ihr erinnert Euch? Wir berichteten über die Recherche des Journalisten Michael Herden, der vor einiger Zeit dem Phänomen nachgegangen war, ABBA seien in Trinwillershagen aufgetreten.